Nicht nur geheilt, sondern gerettet
11./12. Oktober 2025
28. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C
Evangelium: Lk 17,11-19
Prediger: Florian Joos
«Dein Glaube hat dich gerettet». Diesen Satz hören wir in den Evangelien mehrmals von Jesus, nachdem er einen Menschen geheilt hat. Die 10 Aussätzigen sind körperlich geheilt. Aber nur einer ist «gerettet». Wie können wir das verstehen?
Es ist hilfreich, einen Unterschied zu machen: die physische Heilung ist nicht das Gleiche, wie die Rettung. Neun Männer wurden körperlich geheilt. Dieser eine aber wird an Leib und Seele gerettet für die Ewigkeit.
Was zeichnet diesen Samariter besonders aus?
- Er lobt Gott spontan, von ganzem Herzen mit Freude und mit lauter Stimme.
- Er kehrt zu Jesus um.
- Er wirft sich Jesus zu Füssen und dankt ihm.
Finden wir diese drei Eigenschaften auch bei uns? Dann sind auch wir gerettet.
Denn diese drei Eigenschaften sind das Gegenteil von Bitterkeit, von liebloser Härte, von Arroganz und Eigennutz und von Undankbarkeit.
Wie aber finden wir zu dem Glauben und zu der Freude, die uns vor diesen Gefahren schützt? Wie werden wir zum dankbaren Samariter? Das geht nur im dauernden Kontakt zu Jesus. Wenn wir sprichwörtlich an der Hand Jesu durchs Leben gehen, dann werden wir befreit von all dem: von Bitterkeit, von Lieblosigkeit, von Arroganz und Undankbarkeit.
Sind wir davon befreit, haben wir so etwas gefunden wie Erlösung. Ich denke, dass danach eigentlich alle Menschen suchen, nur eben an unterschiedlichen Orten. Es ist so etwas wie ein Grundvertrauen, eine Haltung der Dankbarkeit, ein innerer Trost. Diese drei Eigenschaften spüre ich oft bei gläubigen Menschen, die krank sind.
Was ist der Weg hin zu diesem Trost?
Im ganzen Neuen Testament wird Jesus beschrieben als der Dreh- und Angelpunkt, bei dem allein das volle Leben zu finden ist. Und nicht nur das: Christus wird beschrieben als der Herr über alle Mächte und Gewalten, als der Sieger über Tod und Teufel, als «Mein Herr und mein Gott».
Genau als diesen hat der Samariter Jesus erkannt und darum wurde er nicht nur geheilt sondern gerettet.
Die anderen neun gehen zu den Priestern, um sich ihre körperliche Heilung bestätigen zu lassen. Das war ihr Weg aus der Quarantäne zurück in die Freiheit. Das heisst, sie haben es eilig, wieder zu ihren Familien zurückzukehren, ihre Kinder in den Arm zu nehmen, ihre Freunde zu sehen, ihre Arbeit aufzunehmen.
Wer könnte ihnen das übelnehmen?
Es entspricht auch der Realität heute, dass in unserer Gesellschaft nur wenige ihre Rettung bei Jesus suchen, ihren Dank beim ihm zum Ausdruck bringen – und doch sind das mehrheitlich gute Menschen, die das Beste aus ihrem Leben zu machen versuchen.
Wenn Jesus aber zu dem Samariter sagt: «Ist keiner umgekehrt, um Gott zu ehren», dann ist damit gesagt, dass die Adresse Gottes nur bei Jesus zu finden ist.
Das Neue Testament sagt nicht nur an dieser Stelle, sondern auf Schritt und Tritt, dass an Christus schlussendlich kein Mensch vorbeikommt, der Gott sucht.
Das bedeutet: Jesus ist der einzige Weg zum Leben. Es gibt keinen anderen. Allein Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Das zu erkennen und anzuerkennen bedeutet Rettung.
Wir sind gewohnt, zu respektieren, dass es viele Wege zu Gott gibt. Das hat gute Gründe. Aber es hindert uns daran zu verstehen, was eigentlich mit «Rettung» gemeint ist. Wir verstehen nicht wirklich, was Jesus meint, wenn er sagt: «Dein Glaube hat dich gerettet.»
Um das besser zu verstehen, möchte ich Sie zu einem Gedankenexperiment einladen:
Zuallererst pflegen wir unseren maximalen Respekt gegenüber allen Menschen, egal, welcher Religion und Weltanschauung. Lassen wir alle Menschen zutiefst von Gott geliebt sein. Überlassen wir es Gott allein, wie er über die neun Aussätzigen urteilt, die nicht zu Jesus umkehren. Vielleicht loben sie Gott im Tempel und finden darin ihre Erlösung. Überlassen wir es dem Heiligen Geist, wo er wirken will.
Als zweites stelle ich mir vor, dass Jesus allein mein Weg zu Gott sei.
Ich wende mich ganz und gar Jesus zu, so, als ob er der einzige Strohhalm sei, von dem mein Leben und mein ganzes Glück abhinge; so, als ob er der Einzige sei, der mich aus Bitterkeit, Lieblosigkeit, Arroganz und Undankbarkeit retten könnte.
Ich stelle mir vor, ohne Jesus sei ich wie ein Zombie, der nur existiert, nicht aber lebt. Oder wie eine Marionette, deren Fäden von flüchtigen Emotionen gezogen werden: von der Sucht nach Anerkennung,
nach Befriedigung der Triebe,
nach Rechthaben und Macht über andere.
Das würde heissen, ohne Jesus würde ich von x-beliebigen Mächten beherrscht, ohne ihn wäre ich wie fremdgesteuert.
Wird in diesem Zusammenhang das Wort nicht besser verständlich: «dein Glaube hat dich gerettet»?
Es ist die Rettung vor Mächten, die uns vor sich hertreiben und zwar in die falsche Richtung – weg von Gott.
Oder die uns im Hamsterrad drehen lassen wie bescheuert. Oder die unsere Gedanken immer wieder kreisen lassen um Themen, Sorgen und Ängste, die sehr oft weder wichtig noch real sind.
Wenn wir das erkannt haben, dann bitten wir Jesus um sein Erbarmen. Machen wir aus ihm den Dreh- und Angelpunkt unseres Lebens. Denn in seinem menschlichen Gesicht schaut Gott selbst uns direkt und persönlich an. Gehen wir einmal davon aus, dass wir ohne Jesus keine Chance haben, zum echten Leben zu finden. Verstehen wir einmal mit Verstand und Herz, dass dieser Jesus der Einzige ist, der sich für dich und für mich ans Kreuz hängen lässt. So unendlich weit geht seine Liebe.
Ich meine, diese Haltung Jesus gegenüber, diese Anerkennung als einziger Retter könnte uns zu einer neuen Freiheit und Dankbarkeit führen, die wirklich Bestand hat.
Und zu einer Barmherzigkeit und Liebe allen Menschen gegenüber.
Und zu einer tiefen Freude am Leben und zum lauten Lobpreis Gottes.
Und schliesslich ins Licht seiner Liebe.
Amen
