Du könntest auf den Kaffee verzichten – Gedanke zur Fastenzeit
Es war Ende Januar, als ich mit einer Kollegin über die Fastenzeit sprach. Man müsse vor Ostern halt auf etwas verzichten, was einem angenehm ist, meinten wir halb im Scherz. «Du könntest auf den Kaffee verzichten», resümierte sie lachend – und traf dabei ins Schwarze. Kein Fleisch zu essen, vierzig Tage auf Alkohol zu verzichten: Kein Problem für mich. Aber Kaffee? Das ist hart, dachte ich mir und überlegte: Warum eigentlich nicht? Nicht nur, weil es für mich ein echter Verzicht ist, der mich etwas kostet. Sondern auch, weil mich dieser Vorschlag über meinen Lebensstil nachdenken lässt und mich aus der Wohlfühlzone lockt.
Wie ist das nun mit dem Fasten?
Die katholische Tradition beschränkt sich in den vierzig Tagen vor Ostern – die Sonntage sind ausgenommen – nicht nur auf das Fasten, das oft auf einen Verzicht reduziert wird. Für die Fastenzeit gilt die Dreiheit von Fasten, Gebet und Almosen. Der Evangelist Matthäus lässt Jesus in der Bergpredigt ausführlich über diese drei Säulen sprechen. «Wenn ihr fastet, dann macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler», schreibt er auch uns quasi ins Stammbuch. Unser Fasten soll nur der «Vater, der im Verborgenen ist», sehen. Es geht also in erster Linie um die Beziehung zu Gott.
Die Profis des Fastens waren die asketisch lebenden Mönchsväter. Für sie zeichnet sich das Fasten durch das rechte Mass aus und ist vor allem für Junge und Gesunde bestimmt. Sie verstehen es als eine geistliche Übung, um die Leidenschaften wie zum Beispiel Jähzorn oder Habgier in den Griff zu bekommen. Ziel ist es, das Herz zu reinigen und geistlich wachsam zu werden. Ein Zwiegespräch der Mönchsväter bringt das auf den Punkt: «Wie kann ich mein Herz bewahren?» – «Wie können wir unser Herz bewahren, wenn Mund und Bauch offen stehen?»
Das Gebet
Im Zentrum der Bergpredigt steht das Gebet: das Vaterunser. So, wie das Vaterunser – oder Mutterunser – den Blick auf das Wesentliche richtet, kann auch das – gemeinschaftliche – Gebet in der Fastenzeit helfen, uns auf das Wesentliche auszurichten. Und was ist wesentlich? Zuerst einmal die Anrede «unser». Sie drückt unsere Verbundenheit mit Gott und untereinander aus. Wir sind Geschwister, Töchter und Söhne Gottes. Wir sind gleichwürdig und gleichwertig, so verschieden wir auch sein mögen.
Die Bitte nach dem täglichen Brot spricht vom Hunger. Sie drückt die Hoffnung aus, dass das Brot nicht nur für mich persönlich reicht, sondern für alle. Wir können deshalb nicht an der konkreten Not der Menschen vorbeisehen. Und ein Drittes: Gottes Vergebung ist mit unserer zwischenmenschlichen Vergebung verknüpft. Wer Vergebung erfahren und angenommen hat, kann diese Erfahrung teilen und seinerseits verzeihen.
Das Almosengeben – Herstellen der Gerechtigkeit
Es mag altmodisch klingen, das Wort «Almosen». Doch auch Papst Leo XIV. verwendet es in seinem Schreiben Dilexi te. Über die Liebe zu den Armen. Auch wenn am Ende des Schreibens die Almosen als «von Herzen kommende Gesten … die wir auf jeden Fall tun müssen», beschrieben werden, geht es um mehr. Es geht darum, die Armen anzusehen und ihnen so Ansehen zu geben. So erhält mein Almosen eine Mission, nämlich Gerechtigkeit herzustellen zwischen ihm und mir. Denn es gibt keinen Glauben ohne Gerechtigkeit.
Drei Säulen
Wer in der Bergpredigt über Fasten, Gebet und Almosen nachliest, entdeckt Jesu Bitte um Echtheit. «Nicht wie die Heuchler» sollen wir handeln. Alles soll im Verborgenen geschehen. So können wir in der Fastenzeit die eigenen Fähigkeiten und Grenzen erkennen und auch achten. Nicht alle sind zu Höchstleistungen berufen. Und das ist auch gut so.
Ich wünsche Ihnen eine gute Fastenzeit. Möge sie Ihnen und unserer Gemeinschaft guttun und die Beziehung zu Gott stärken.
Siegfried Ostermann
p.s.: Ich bin mit meinem Fastenvorsatz, auf Kaffee zu verzichten, nicht allein. Das gibt mir Mut. Und Sie dürfen mich gerne fragen, wie es mir dabei geht.
