Was ist der Vorteil an Gott zu glauben?

1. März 2026

2. Fastensonntag, Lesejahr A
Lesungen: Gen 12,1-4 / 2 Tim 1, 8-10 / Mt 17, 1-9

Florian Joos

Neulich habe ich mich gefragt, was eigentlich der Vorteil ist, an Gott, an Jesus, an ein Leben nach dem Tod zu glauben. Ist es nicht besser, sein Leben im Hier und jetzt zu geniessen, so gut es geht?

Ist es nicht angenehmer, ohne den Gedanken zu leben, dass eines Tages abgerechnet wird? Lebt es sich nicht einfacher, ohne einen Gott, der von uns etwas erwartet an Mitmenschlichkeit, an Einsatz, an Reue? Oder anders gefragt: Wäre es für Abram nicht besser, angenehmer und einfacher gewesen, wenn er zu Hause geblieben wäre?

Abram zeigt uns, dass es unsinnig ist, diese Frage zu stellen. Denn in seinem Leben ist Gott nicht eine Frage oder eine Möglichkeit, nicht etwas, an das man glauben könnte oder nicht, sondern eine lebendige Tatsache. Und der Ruf Gottes ist ein Faktum in seiner Seele. Diesen Ruf zu ignorieren, hätte bedeutet, bis zum Lebensende mit einer blutenden Wunde zu leben und am Ende zu sterben mit dem Bewusstsein, komplett am Sinn und Auftrag des Lebens vorbeigelebt zu haben.

Und ausserdem: Da ist ja nicht nur der schmerzhafte Auftrag alles zu verlassen, was man mit dem Wort «Heimat» verbindet. Sondern da ist auch die Zusage Gottes, das Versprechen von Schutz und Segen, von Nachkommenschaft und von einer ganz neuen Heimat.

Gott ist also – für uns genauso wie für Abraham – der väterliche Ursprung unseres Lebens,  er ist der Boss, der uns einen Auftrag erteilt und er ist die mütterliche Freundin, die uns die Vision ins Ohr flüstert: Eine wunderbare neue Heimat wartet auf dich!

Mit Gott verbunden ist also ein Ursprung, eine Aufgabe und eine Zusage.

Der göttliche Ursprung jedes lebendigen Wesens und ganz besonders jedes einzelnen Menschen bedeutet: Du bist kein Zufall. Du bist auch kein Unfall, kein Notfall und kein Abfall. Egal, was andere Menschen aus dir machen, wie sie über dich denken.

Und der göttliche Zuspruch an jedes von uns lautet: Ich, Gott, will, dass du lebst und dass du deinen liebenden Urgrund entdeckst, dass du bei mir deine Heimat findest.

Und Gottes Auftrag an uns alle lautet: Sei ein Segen für den Rest der Welt. Nochmal zurück zur Ausgangsfrage: Ist es nicht ein Vorteil, ist es nicht einfacher, ohne Gott zu leben? Die Antwort ist Nein.

Denn in diesem Fall verlören wir sowohl unseren göttlichen Ursprung, als auch unseren segensreichen Auftrag, als auch unsere Vision von einer ewigen Heimat. Und genau das sind die drei Dinge, nach denen jeder Mensch sich sehnt: Anerkennung und Würde, eine Aufgabe und eine Zukunft in Geborgenheit. Jesus ist in die Welt gekommen, um diese Sehnsucht zu erfüllen. In allem, was er tut und sagt, gibt er Antwort auf diese Suche nach Würde, nach Sinn und nach Zukunft. Darum heisst das Evangelium «Frohe Botschaft» oder «Gute Nachricht», weil es eine Antwort gibt auf eine Sehnsucht, die in dieser Welt nicht gestillt werden kann.

Wie können wir diese Kraftquelle der Frohen Botschaft fliessen lassen?

Ein Segen sein für andere oder sogar, wie Paulus schreibt: «Leiden für das Evangelium», das ist kein Kinderspiel und das geht nur, wenn die Freude des Evangeliums in uns wirkt. Und es muss eine Freude sein, die auch dann nicht verschwindet, wenn wir leiden müssen.
Die Freude an Gott ist unsere Kraft, heisst es in einem Kehrvers. Oder erinnern wir uns an die Seligpreisungen: dort werden jene glücklich genannt, die menschlich gesehen nicht glücklich sind, sondern arm, traurig, machtlos und verfolgt.

Dietrich Bonhoeffer schreibt, es mache den Wert und die Glaubwürdigkeit der christlichen Freude aus, dass sie durch die Armut der Krippe und durch die Not des Kreuzes hindurchgegangen ist.

Oft sehen wir Leute, die offenbar Spass am Leben haben und ich habe mich schon bei dem Gedanken ertappt: Anderen geht es ohne Gott besser als mir mit meinem Glauben. Die christliche Freude kann aber eine Freude trotz allem Unglück sein; eine Freude, die auf einen Ursprung, einen Sinn und eine Hoffnung zurückgeht, die nur jene nachvollziehen können, die den gekreuzigten und österlichen Christus kennen.
In Christus ist die andere Welt angebrochen und sie strahlt hinein in unsere Welt. Die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor zeigt den Jüngern, dass Jesus nicht von dieser Welt ist.

Die Kraft des Christentums kommt daher, dass die Lichtwelt Gottes als Realität, als Tatsache, als Faktum gesehen wird, das alles Irdische in den Schatten stellt.
Diese Welt des Lichts ist nicht materiell zu denken, sondern geistig. Darum können viele Menschen, die sich als aufgeklärt, rational und wissenschaftsorientiert definieren, den Sprung nicht schaffen, an diese göttliche Welt zu glauben.  Teilweise hat diese Haltung auch auf uns Christen abgefärbt. Um noch irgendwie ernst genommen zu werden, haben wir das Evangelium relativiert und solche Szenen wie die Verklärung auf dem Berg Tabor auf unterschiedlichste Weisen zu erklären und zu interpretieren versucht.

Aber was wäre, wenn dieses Ereignis, genau so historisch passiert wäre? Was ist verkehrt daran zu glauben, dass Jesus wirklich, faktisch, historisch so seinen drei Jüngern sich gezeigt hätte?

Wenn es die Welt Gottes wirklich gibt, wenn Jesus wirklich Gottes Sohn ist, dann ist nichts Irrationales dabei, das Durchscheinen jener anderen Welt durch Christus als historisches Faktum zu nehmen.

Und: wenn es diese andere Welt wirklich gibt, dann ändert das alles ganz grundlegend, alles erscheint in anderem Licht.

Wenn wir durch Christus unseren Ursprung und unsere ewige Heimat in Gottes Licht sehen dürfen und wenn wir unseren göttlichen Auftrag und Sinn darin sehen, ein Segen zu sein, was kann uns dann noch die Freude nehmen?

Und der Leib Christi, den wir nachher hier empfangen, dürfen wir erfahren wie die sanfte Berührung des strahlenden Christus, der zu uns spricht:

«Steh auf und fürchte dich nicht.»

Amen